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24 MOONS – 01/09/18

Eine Nacht, die ich beim besten Willen nicht in einem Satz zusammen fassen könnte.

Es hat mich schon viel Denkzeit gekostet, mir einen Titel auszudenken. Es ist jetzt der Mittag danach und es ist so surreal. Als wäre die ganze letzte Nacht nur ein Traum gewesen. Vielleicht ist daran auch ein wenig der Alkohol schuld.


Es war unsere erste Nacht „ausgehen“ in Melbourne. „Ausgehen“ klingt so seltsam, aber „Party machen“ wiederrum zu einseitig für gestern. Ein Australier, den wir über ein paar Ecken kennengelernt hatten, hat uns mit seinen Freunden zu einem Club mitgenommen. Musik war Elektro, was normalerweise echt nicht mein Genre ist, aber die Stimmung war so gut und die Musik hat einfach mit meinem Körper zusammen funktioniert.

Ich konnte mich so gut bewegen und so frei fühlen. Aber das ist wirklich nur der kleine, dennoch wunderschöne Partyaspekt des Ganzen.

Melbourne City

Vor dem Club waren wir bei einer Freundin von dem besagten Australier. Man muss sich jetzt ein kleines Häuschen für 450 Dollar im Monat vorstellen, bei dem sich die Toilette draußen befindet. Kein Plumsklo, einfach nur eine Toilette draußen. Im Vorgarten stehen Couches, üblich in Australien und wenn man rein kommt riecht es nach Gras und die Wände hängen voller feministischer Bilder. Die Freundin hat uns fast angesprungen und uns so herzlich begrüßt, als wären wir die tollsten Gäste.

Dann ging das Gespräch über Sexismus weiter und ich habe wirklich meinen bisherigen Standpunkt, was die Rollenverteilung Mann und Frau an geht überdenken müssen. Ich war nie jemand, der gesagt hat, dass Frauen nicht das tun können, was Männer tun, oder umgekehrt, aber sie und die anderen Frauen in dem Raum haben mir neue Wege gezeigt, darüber zu denken .

In dem Moment war es, als wäre ich seither blind rumgelaufen und hätte jetzt die Welt gesehen. I just got brainfucked and i liked it.

Aber näher darauf einzugehen würde diesen Beitrag zu lang und zu kompliziert machen.

Und das Ganze nicht in einer spießigen Runde, nein, zwischen Elektromusik und Zigarettenrauch. Neben Nemo, Analogkameras und typisch deutsch und typisch australisch, kam auch irgendwann das Thema Polyamorie. Tatsächlich hat der Australier, der uns mitgeschleppt hatte, eine Freundin und gleichzeitig eben andere Freundinnen und seinen Spaß mit beiden Geschlechtern. Er hat uns erklärt, die eine Freundin ist „the important one“, aber es gibt andere. Mit 17 hatte er eine 4 Jahre lange Beziehung, aber hat eben gemerkt, dass Polyamorie auch was hat.

Vor diesem Abend voller Gespräche über die Individualität eines jeden Einzelnen und die Vielfalt der Welt hat es sich angefühlt, als würden meine Reisepartnerin und ich nur herum irren und versuchen etwas zu tun, das keinen Sinn hat an einem Ort der nichts zu bieten hat.

„Was fange ich mit diesem Tag an? Wie reist man ? Was tut man ?“ Dabei ist „man“ definitiv das falsche Wort.

Aber nach diesem Abend habe ich mich gefühlt, als könnte ich alles erreichen und als wäre ich genau so okay wie ich bin. Als würde ich etwas Wertvolles verlieren, wenn ich versuche anders zu sein als ich bin.
Mich teilweise in einer Höhle verstecken würde. Wenn auch nur kleine winzige Teile.
Man muss diesen Abend in seinem Gesamten und dem Wechsel zwischen Musik, neuen Eindrücken und Qualität-Gesprächen erlebt haben, um die gleichen Gefühle fühlen zu können, wie ich.

Wie ein Marmeladenglas, das einen Moment einfangen soll. Oder auch nur der Versuch einen Abend mit all seinen Momenten festzuhalten, sodass man immer wieder dorthin zurück kommen kann.

Ich habe etwas gebraucht, diesen Beitrag zu veröffentlichen, weil es wirklich schwer ist, diesem Abend gerecht zu werden.


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