Menu Close

Wir und unsere Zweckgemeinschaften – Nighttalks

02:00 -Uhr- Nachts – Gespräche sind die Besten. Resultat:

Definieren von zwischenmenschlichen Beziehungen wurde mit der Zeit zu des Menschen Hobby.
Dafür haben wir auch genug Namen gefunden. Neben „Freundschaft“, „Familie“ wäre da auch noch beispielsweise „Beziehung“ oder „Ehepaar“.

Warum das Ganze ?

Wir brauchen sie doch, die Definitionen, die Wörter für alles in unserer Welt. Wir müssen die Dinge benennen können, ansonsten wissen wir nichts damit anzufangen. Würden wir die zwischenmenschlichen Beziehungen nicht benennen, würden wir nicht mehr wissen, welche Rolle wir spielen müssen, oder auch dürfen. Wir würden entweder zu viel oder zu wenig tun und den Gegenüber unzufrieden machen.

Filmisnotdead
[ Neg 2 ]

Wenn wir es aber „Freundschaft“ nennen, wissen wir, wo die Grundgrenzen sind und was von uns erwartet wird. So eine Definition kommt natürlich nicht von ungefähr. Dazu bestimmen wir erst einmal die Grundlagen und wägen ab, wo wir das Ganze einordnen. Meist unbewusst.
Die Grundlage einer Familie ist verallgemeinert gesehen erst einmal die Blutsverwandtschaft. Bei einer Freundschaft wären es Gemeinsamkeiten, Vertrauen und sich eben zu verstehen und das für länger als ein paar Minuten.
Und klar, die freundschaftlichen Gefühle. Beziehung wiederrum ist eine Stufe mehr der Grundlagen, also Liebe und personenbezogene, spezifische Dinge.

[ Neg 10 ]

All diese zwischenmenschlichen Beziehungen sind Zweckgemeinschaften. Denn ohne die grundlegenden Zwecke, unser Streben nach sozialer Interaktion auf höherem Level zu stillen und unsere Gefühle ausleben zu können, würden wir die zwischenmenschlichen Beziehungen nicht eingehen. Und uns erst Recht keine Arbeit bezüglich der Definition machen.

Die kleineren Gründe können in jeder einzelnen Beziehung andere sein und spezifiziert werden.

Nun stelle man sich vor, zwei Personen lernen sich im Tennisclub kennen. Sie funktionieren im Spiel einwandfrei und auch danach lässt es sich immer gut über Tennis im Allgemeinen reden. Eigentlich können sie gut miteinander. Somit lässt es sich doch nach einiger Zeit „Freundschaft“ nennen, oder nicht ?

Person A und B treffen sich nie außerhalb des Tennisplatzes und reden auch nie über andere Dinge als ihre heißgeliebte Sportart. Ist das eine Freundschaft ? Klar, hat jeder Mensch eine andere Definition was Freundschaft angeht und für viele Menschen muss diese nicht unglaublich tiefgründig und ehrlich sein, weil sie eben selbst nicht so sind.

Aber dennoch muss ich hier etwas einwenden.

Diese Beziehung basiert darauf, dass beide Personen gegenseitig ein Mittel zum Zweck darstellen, ob bewusst oder unbewusst. Wobei der Zweck ganz einfach das Tennis spielen wäre. Die Betonung liegt auf „basiert“, denn hier fehlen freundschaftliche Gefühle und es ist weit entfernt von Liebe, sowie das Austauschen von anderen Themen als Tennis.

Das nennt sich dann „reine Zweckgemeinschaft“, denn es gibt nur eine simple Grundlage: Mittel zum Zweck.

Ich denke, viele Menschen brauchen diese Art von Beziehung als Ausgleich für die „Schwierigeren“ und sind sich dessen nicht bewusst, denn in der Realität ist es weitaus komplexer als eine Sportfreundschaft so einzuordnen. Man merkt es oft erst in den Zeiten, denen der angeblichen Freundschaft oder Beziehung mehr abverlangt wird, als sie eigentlich ist.

[ Neg 12 ] Paris 18

Oder aber, wenn einem auffällt, dass die Rolle, die man in der Beziehung hat/spielt, nicht sehr vielseitig ist. Denn ich denke nicht, dass die Tennisspieler sich ihre Sorgen anvertrauen. Die Dinge, über die es sich nicht so einfach reden lässt, wie über das Hin und Her schießen eines Balls.
Dann fällt einem möglicherweise auf, dass die Beziehung nur dazu diente, sich nicht allein zu fühlen, oder seinen Sexualtrieb zu stillen. Oder vielleicht, um jemanden zu haben, der seine Handlungen als unglaublich toll befindet und so den Zweck eines Egopushers erfüllt.

Aber es geht nicht nur um mögliche Freundschaft. Auch die zwischenmenschlichen Beziehung zur Kassiererin ist eine reine Zweckgemeinschaft. Jedoch eine, die wir nicht definieren, da unsere Rollen automatisch definiert sind: Kassiererin und Kunde.

So wären wir wieder bei den Rollen. Dass wir die Definition brauchen um die Rollen zu definieren und nach ihnen zu Handeln, ist eigentlich logisch und eine gute Taktik, damit das Ganze überhaupt funktioniert. Aber für mich sind die reinen Zweckgemeinschaften zwar etwas, das automatisch entsteht, jedoch nichts auf Dauer wertvolles. Die Rolle dabei ist sowieso nicht sehr vielseitig und somit etwas langweilig, würde ich behaupten.

Wie ich überhaupt darauf gekommen bin ?  Als ich selbst versucht habe meine und auch andere zwischenmenschliche Beziehungen zu definieren und die Antwort dabei viel zu oft “reine Zweckgemeinschaft” hieß. Mich hat es etwas getroffen, zu sehen, dass wir das doch tatsächlich haben und suchen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.