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Das Travel-Glas

Ende August geht’s los. Mein Traum die Welt zu sehen geht in Erfüllung.


Vor ein paar Jahren habe ich in meinem Zimmer ein Glas mit der Aufschrift „for travel a little bit of the world“ aufgestellt, in dem ich mein Kleingeld fortan gesammelt habe.

Das ist beim besten Willen nichts Besonderes, da das zu der Zeit jedes Mädchen gemacht hat, das auf Bilderplattformen unterwegs war. Außerdem ist es bei meinem sehr konsequenten Sammeln wirklich unrealistisch gewesen, davon wirklich reisen zu können.
Nebenbei gesagt war mein Englisch optimal. „For travel“ statt „to travel“. Kompliment Mary.


Trotzdem möchte ich mit diesem Glas anfangen, da ich mir mit dem Aufstellen nicht dachte „Oh yeah jetzt habe ich ein tolles Tumblr-Zimmer“ – okay vielleicht ein bisschen als kleine 13-Jährige-, sondern ich damit meinen Traum gefestigt habe.



Denn genau das ist es was ich immer wollte: die Welt sehen, in den Massen der Stadt leben, Freiheit genießen.
Andere Menschen und deren Kulturen kennenlernen und dabei Aufnäher für mein Gepäckstück kaufen. Bis der Rucksack voll hängt.

Das ist, was Ende August in Erfüllung geht.
Eine gute Freundin und ich gehen als Backpacker für 8 Monate nach Australien und hängen noch je einen Monat Neuseeland und Bali dran.

Ich bekomme allein beim Aufschreiben dieser Zeilen schon Fernweh. Während die Vorfreude in mir Purzelbaum macht, fange ich an zu zweifeln.


Denn gleichzeitig denke ich mir, dass ich das Leben, was ich mir aufgebaut habe, meine Gewohnheiten und mein Umfeld komplett verändere/wegschmeiße.

Mit meinen wenigen Jahren hier habe ich natürlich nichts Großes aufgebaut, aber all das bin irgendwie ich. Alles was ich jeden Tag gemacht habe, jede Woche und jedes Jahr.
Das klingt nun sehr theatralisch, ist ja aber auch mein erster Ortswechsel.

Und dann, wenn alles nach Plan läuft, bin ich nach den 10 Monaten reisen auch nur noch einen Monat hier, bis ich dann wegziehe. Und alles bleibt hier zurück. Mir ist klar, dass das Gefühl wahrscheinlich völlig normal ist, aber dennoch fühlt es sich seltsam an.

An manchen Tagen kann ich die Menschen verstehen, die gerne hier in ihrem gewohnten Umfeld bleiben wollen, an anderen Tagen begreife ich nicht, wie man in seinem ewigen Kaff bleiben können will.

Mittlerweile gibt es nur noch ein Mischmasch aus beidem, dass mir keine Gedanken in eine Richtung mehr schickt.

Ein Hin und Her zwischen dem Mädchen, das das Glas aufgestellt hat und dem, das gelernt hat, sich hier zurecht zu finden.

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