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Von Optimismus, Pessimismus und sinkender Naivität

Als kleines Kind hatte ich immer wechselnde Berufswünsche. Nachdem ich Zahnärztin wegen Kariesbehandlungen verworfen hatte, wollte ich Autorin, Sängerin oder schlussendlich Zirkusartistin werden. Modedesignerin war natürlich auch einer meiner Favoriten. Genau wie Frisörin habe ich Artistin irgendwann aus der Spalte „Was will ich mal werden“ im Freundebuch gestrichen, da mir alle Erwachsenen immer sagten: „Damit kannst du nichts verdienen“ und „Das ist unrealistisch“. Irgendwann landete dann nur noch ein „weiß ich noch nicht“ oder ein halbherziger Strich in der Freundebuchspalte, während ich mir eigentlich wünschte, alle unrealistischen Berufe ohne Bedenken hinschreiben zu können. Auch verschiedene Erfahrungen haben mich in meinem Glauben und meinen Träumen beeinflusst. Begonnen mit nicht erfüllten Sternschnuppenwünschen, wobei das eher weniger enttäuschend war, weiter mit meinem Weltbild. Ich habe immer daran geglaubt, dass das Schicksal unser Leben beeinflusst und am Ende einer jeden Schmerzphase ein positiver Grund steht, der alles erklärt und der natürlich nur den Wert Glück als Idee trägt.

Viele Menschen würden diese Sicht als „Naiv“ bezeichnen, andere als genau das Richtige und wieder andere als völligen Schwachsinn. Ich schreibe das in der Vergangenheitsform, da ich mir mittlerweile nicht mehr sicher bin, ob dem so ist. Viel zu oft habe ich den tollen, positiven Grund nicht erkennen können, da einfach keiner da war. Verschiedene Dinge waren einfach grundlos schlecht.
So kam ich mit meinem optimistischen Weltbild ins Schwanken.

04/06/18 -Jacke: vintage

Mir kommen und kamen auch schon immer die „Erwachsenen“ als steif, traumlos und pessimistisch vor. Leute, die in ihrer kleinen Welt festsitzen und nicht über den Tellerrand schauen können. Ausnahmen gibt es natürlich immer. Menschen, die mich nicht ernst nahmen, wenn ich ihnen meine Träume erzählte und die erst an das Vorhanden-Sein einer gewissen Reife glaubten wenn ich sagte ich möchte sowas wie Arzt oder Architekt werden.

Und ich tobte innerlich und wollte nur noch rufen „Macht doch mal die Augen auf und zieht euren Stock aus dem Hintern!“. Gleichzeitig schwor ich mir, nie so zu werden.



Und dann sitze ich da und überdenke meine Entwicklung hinsichtlich meinem Optimismus, meiner Naivität und dem steigenden Pessimismus. Ich würde mich immer noch als grundlegenden Optimist bezeichnen, der etwas naiv und träumerisch auf die Welt schaut und versucht, in fast allem das Gute zu sehen. Aber dennoch kriecht aus einer Ecke immer mehr der Pessimismus hervor und ich weiß nicht so recht wo ich das einordnen soll.

Sinkende Naivität, tatsächlich steigender Pessimismus oder nur realistisch werden und „erwachsen“ ? Oder muss man genau so sein, wenn man in unserer Welt ohne den Schutz der Eltern überleben will ? Steif und pessimistisch ?
Entsteht aus dem Verlust der  Träume und des Optimismus, der Schutzpanzer der proportional dazu wächst ?
Der uns hilft uns zurecht zu finden und nicht auf die Nase zu fallen ?

Ist dieser Schutzpanzer es mir wert, genau so zu werden wie ich nie sein wollte ?
Ich glaube nicht.
Denn viel zu oft liebe ich meinen manchmal grundlosen und vielleicht etwas naiven Optimismus, der mich so schön träumen lässt.

2 Kommentare

  1. Hertel

    Liebe Mary-Nell,

    Träume und träumen sind lebenswichtig fuer die Seele wie die Luft und das Atmen fuer das Leben.
    Aus ihnen entstanden und entstehen so mach tolle Ideen, Überraschungen und Entwicklungen. Sie helfen auch über so manche Enttäuschungen. Also sich nicht entmutigen lassen und träumen und die Augen weiterhin offen halten und alle Dir zu deinem Glück zur Verfügung stehenden Möglichkeiten nutzen. In Liebe Deine Mama

  2. Nikonimus

    Träume und Optimismus sind Dinge, die einen Menschenam Leben erhalten . Sie sind der Antrieb und geben Ziele vor, die erstrebenswert sind.
    Nicht hinter jedem schicksalshaften Ereignis steckt ein Grund, manchmal ist es einfach nur Schicksal. Es kann aber sein, dass aus vielen schlecht gemachten Erfahrungen im Leben Vorsicht entsteht und man Situationen im Vorhinein pessimistischer einschätzt, als ohne diese Prägung. Aber das ist nichts grundsätzlich schlimmes, es ist einfach Lebenserfahrung ?.
    Eines ist jedoch sicher: Zufälle gibt es nicht, alles was passiert hat seinen Grund, sei es nun gut oder schlecht.
    Sei es um Spaß zu haben oder gar Leid, sei es seinen Traum zu erfüllen oder eine Enttäuschung zu erleben, sei es um Vertrauen zu gewinnen oder Vorsicht aufzubauen.
    Nicht jeder kann seinen Stock aus dem Hintern nehmen und einfach locker sein, vielleicht ist er schon zu oft auf die Nase gefallen oder hat schlechte Erfahrung gemacht.
    Es ist wichtig sich immer Träume und Offenheit zu bewahren , aber eine gesunde Vorsicht schadet nicht. Die Naivität vergeht von ganz alleine.

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